Gesundes wächst in der Natur, Passauer Neue Presse 03.09.2011
Alternative Heilmethoden
Im gleichen Maß wie das Interesse an alternativen Heilmethoden nimmt auch das Interesse an natürlichen Arzneimitteln zu.
Immer mehr Menschen wollen sich nicht mehr nur auf die Schulmedizin und die Pharmaindustrie verlassen, sondern bevorzugen alternative Heilmethoden. Auch der Pflanzenmedizin wird seitdem wieder größere Beachtung geschenkt: Wissen aus vielen Jahrtausenden wird so wieder neu entdeckt, die Heilkraft von Fenchel, Liebstöckel, Mutterkraut und Baldrian wieder genutzt.
„Die Kräuterkunde ist mit Sicherheit so alt wie dieMenschheit, und alle Völker der Erde nutzten und nutzen die Kraft der Pflanzen“, schreibt Burkhard Bohne in seinem Buch „Kräuterwissen aus alter Zeit“. In Europa waren es vor allem die Klöster, die das alte Wissen bewahrten und weitertrugen: „Die Klosterheilkunde ist bis heute legendär“, meint Burkhard Bohne. Werke wie das Lorscher Arzneibuch und die Schriften von Hildegard von Bingen entstanden im klösterlichen Umfeld.
Obwohl schriftlich niedergelegt, ist das Wissen um die Heilkraft der Pflanzen in heutiger Zeit lange unbeachtet geblieben. Dabei habe die Pharmaindustrie schon seit langem herausgefunden, welche Heilkräfte die Natur hervorbringt, Wissenschaftler bauen die chemische Struktur vieler pflanzlicher Wirkstoffe im Labor nach, weiß Medizinjournalist Klaus Oberbeil. Knapp 90 Prozent der in Apotheken angebotenen Arzneimittel seien Nachahmerprodukte nach dem Vorbild der Natur − von Antibiotika über Entzündungshemmer bis hin zu Pillen gegen Schlaf- und Verdauungsstörungen, Übergewicht oder Schmerzen, erklärt Oberbeil im Buch „Kräuter und Gewürze als Medizin“.
Dabei könnten die Pflanzen selbst, beziehungsweise Teile davon, auch direkt angewendet werden − als Tee, zu Salben verarbeitet, in Ölen, als Pulver, für Bäder und Umschläge oder als Tinktur. Die Anwendungsgebiete sind so unterschiedlich wie die Pflanzen und Wirkungen selbst.
So gehört zum Beispiel Echter Alant zu den ältesten Heilpflanzen der Welt. Das große Korbblütengewächs hat gelbe Blüten, die den Mythen nach als Wohnsitz für Elfen und Engel dienen. „Hildegard von Bingen empfahl die Wurzel gegen Husten und Bronchitis und den Alantwein bei Magen- und Darmbeschwerden“, berichtet Burkhard Bohne. Manfred Bocksch, Autor des Buches „Das praktische Buch der Heilpflanzen“, betont die Bedeutung von Alant als Hustenmittel, besonders bei chronischem Husten.
Auch der Gemeine Beinwell ist eine Heilpflanze, die seit Jahrtausenden bekannt ist. „Schon der griechische Arzt Dioskurides nutzte Beinwell zur Behandlung von Knochenbrüchen“, weiß Burkhard Bohne. Hildegard von Bingen empfahl die Pflanze ebenfalls zur Heilung von Wunden und Knochenbrüchen. Heute werden Beinwellzubereitungen als entzündungshemmend, wundheilungsfördernd und reizmildern geschätzt.Vor allem Umschlagpasten und Salben werden zu diesem Zweck verwendet − die Rezepte für Beinwellbalsam, Beinwellöl und Beinwelltinktur nennen Siegrid Hirsch und Felix Grünberger in ihrem Buch „Die Kräuter in meinem Garten“. Die beiden Autoren warnen aber auch: „Ein Kräuterbuch kann keinen Arzt ersetzen und oft auch keinen Apotheker.“
Es sei aber wünschenswert, dass das alte Wissen aus der eigenen Kultur nicht verloren gehe. Gerade die Komplementärmedizin trägt dazu bei, dass wertvolles Wissen wieder Anwendung findet. − kap
BUCHTIPPS
Manfred Bocksch: „Das praktische Buch der Heilpflanzen“, blv, 256 Seiten, ISBN 978-3-8354-0896-8, 14,95 Euro.
Burkhard Bohne: „Kräuterwissen aus alter Zeit“, Kosmos, 176 Seiten, ISBN 978-3-440-12797-1, 16,95 Euro.
Siegrid Hirsch und Felix Grünberger: „Die Kräuter in meinem Garten“, Freya, 792 Seiten, ISBN 978-3-902134-79-0, 34,90 Euro.
Klaus Oberbeil: „Kräuter und Gewürze als Medizin“, Systemed Verlag, 224 Seiten, ISBN 978-3-927372-92-4, 19,95 Euro.

