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KRäUTERTIPS



Lichtwurzel

Im August 2007 fuhr ich mit einigen Mitarbeiter des Kräutergartens Lustenau nach Überlingen am Bodensee zum Demeterbetrieb Andreashof. Dort wird seit einigen Jahren die Lichtwurzel/Dioscorea batata angebaut. Es ist eine Art der großen Familie der Dioscoreaceae (=Yamswurzelgewächse) mit weltweit 650 Arten. Davon gibt es mehrere Arten, die kultiviert worden sind. Die Dioscorea alata/Yamswurzel ist wohl die bekannteste Art. Sie stammt aus Asien und wurde nach Nord- und Südamerika gebracht. In Europa kommen zwei Arten vor: Dioscorea Pyrenaeca Bubani und Dioscorea Bacanica Kosamin. Eine verwandte Art in Mitteleuropa ist die Tamus Communis L., die Schmerwurz.
Nur die Dioscorea batata, eine aus dem Norden Chinas stammende Sorte, besitzt die Fähigkeit, dem Menschen den in seiner Wurzelknolle gespeicherten Lichtäther zur Verfügung zu stellen. Sie spendet Kraft und fördert das freie Strömen der Lebenskräfte im Körper. 1924 erkannte Rudolf Steiner die Wichtigkeit der Lichtwurzel für unsere Zeit. Er empfahl, die Wurzelknolle aus China zu akklimatisieren, um sie zu einem Volksnahrungsmittel wie die Kartoffel zu entwickeln.

Heilwirkung
Die Lichtwurzel wirkt verdauungsfördernd, entwässernd, appetitanregend, stimuliert die endokrinen Drüsen, stärkt Milz und Lungen, wirkt verjüngend und blutzuckersenkend und gilt ganz allgemein als ein hochwirksames Immuntonikum. Die Lichtwurzel enthält u. a. das Phytohormon Diosgenin, das im Körper in Progesteron umgewandelt wird. Im weiblichen Organismus kann es Gestagenmangel ausgleichen. Die Lichtwurzel enthält viel Eisen und Calcium.
Verarbeitung
Am Andreashof wird die Lichtwurzel schonend verarbeitet und dabei nicht direkter Elektrizität ausgesetzt. Sie wird mit eigens dafür entwickelten Trockenschränken durch Warmwasserzirkulation getrocknet.

Verwendung
Die Lichtwurzel kann ähnlich wie die Kartoffel verwendet werden. Sie lässt sich braten und kochen, aber auch grillen oder frittieren.
Die getrocknete Lichtwurzel wird zu verschiedensten Produkten verarbeitet:
Lichtwurzel-Kräutermischungen, Lichtwurzel-Chips,
Lichtwurzel-Pulver,
Lichtwurzel-Mandelöl

Ein Schwerpunkt der Arbeit am Andreashof ist die Entwicklung einer möglichen Kultur- und Erntemethode. Die empfindliche Lichtwurzel wächst bis zu 1,20 m tief in die Erde und bildet ca. 15 m lange Ranken. Durch diese besonderen Eigenschaften stellt sie im Anbau und bei der aufwändigen Ernte eine Herausforderung dar.

Nach der interessanten Führung konnten wir uns im Hofladen mit den verschiedenen Produkten aus der Lichtwurzel eindecken. Inzwischen gibt es einige dieser Produkte auch im Geschäft bei mir in der Nähe. Man kann die frische Wurzel beziehen, aber auch Chips (wie Kartoffelchips) und Wurzelpulver. Der eine oder andere Hobbygärtner wird sie vielleicht im eigenen Garten anbauen und ausprobieren, wie sie bei ihm wächst.

Chinesische Yamswurzel
= Lichtwurzel
Dioscorea batatas

Sie wird 4 bis 10 m hoch und ist eine kräftige Kletterpflanze für jeden humosen, gut durchlässigen Boden an einem sonnigen bis halbschattigen Standort. Die senkrecht wachsenden, stärkereichen Knollen können eine Länge von 1 bis 1,5 m erreichen und werden wie Kartoffeln verwendet.
Die Vermehrung erfolgt durch Teilstecklinge aus der Knolle, wobei das Kopfstück mindestens 15 cm lang sein sollte und wieder gepflanzt werden kann. Die Art ist in Mitteleuropa ausreichend winterhart und sollte im Garten recht tief in eine humose, sehr gut wasserdurchlässige Erde mit einem leichten Winterschutz (z. B. Mulchdecke) gepflanzt werden. Oder man lagert die Knollen im Keller und pflanzt sie im nächsten Jahr wieder aus. Auch die entstehenden Brutknöllchen in den Blattachsen sind für eine Vermehrung geeignet. Hinweis: alle grünen Teile (Blätter, Stamm, Blüten, Früchte und Samen) und die ungekochte Knolle sind bei Verzehr giftig!

Die Wurzeln der ausgewachsenen Pflanzen sind unten dick und oben eher dünn. Eine Ernte aus dem Freiland ist deshalb ziemlich schwierig, auch weil die Wurzeln so leicht brechen. Wenn jemand aus unserer Gemeinschaft die Lichtwurzel kultivieren will, sollte er es ebenso machen, wie die Menschen am Andreashof. Hier baute man große Pflanzgefäße (auf den Fotos Seite 11 zu sehen), die man auf einer Seite öffnen kann. So geht die Ernte problemlos vonstatten. Am Andreashof erhält man solche speziellen Pflanzkübel, man kann sie aber auch selber bauen. Die Pflanze ist in unseren Breiten meistens winterhart, aber halt nur meistens, nicht immer. Ein Anbauer erzählte, er hätte seine Lichtwurzeln auf einer Anhöhe den ganzen Winter lang im Freien gelassen und es hätten 90 % der Pflanzen überlebt, den übrigen 10 % war es zu kalt.

Die Lichtwurzelknöllchen sind übrigens essbar. Und ein neu entwickeltes Produkt aus Lichtwurzeln aus dem Andreashof dürfte für uns Kräuterfreunde ebenfalls interessant werden: Es ist das Lichtwurzel-Mandelöl. Es soll ausgesprochen hautverjüngend wirken.

Hier ein Ausschnitt aus einem Interview mit der Leiterin des Andreashofes,
Cornelia Hahn:
„Dass sich Gärtner und Wissenschaftler so intensiv mit der Lichtwurzel auseinandersetzen, liegt in der Eigenart dieser aus dem Norden Chinas stammenden Art begründet: Sie besitzt die Fähigkeit, so genannte Lichtenergie zu binden, in der Wurzelknolle zu speichern und so dem Menschen in seiner Nahrung zur Verfügung zu stellen. Das macht keine andere Pflanze. Bei der modernen, immer lichtärmeren Nahrung spielt das eine große Rolle. Durch den Verzehr wirkt die Knolle mit ihren Lebensströmen den immer weiter fortschreitenden Verhärtungstendenzen im menschlichen Körper entgegen. Daher ist sie gerade für Menschen in hochzivilisierten Ländern sehr gesund und belebend. Sie spendet Kraft und fördert das freie Strömen der Lebenskräfte im Körper."

Weitere Infos und Bezugsquelle:
Demeterbetrieb Andreashof,
Kirchgasse 35, 88662 Überlingen-Deisendorf
Tel: +49 (0)7551-947470
www.andreashof-bodensee.de
Führungen im Sommer an jedem Samstag oder nach Voranmeldung



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